Auch Pflegekräfte müssen im Beruf lernen, Nein zu sagen.

Nein sagen lernen: 5 Tipps, die Dir dabei helfen

„Natürlich, ich kann gerne mit Dir die Schicht tauschen“ oder „Kein Problem, ich kann heute auch zwei Stunden länger machen“. Kommen Dir diese Sätze bekannt vor? Dann wird es Zeit etwas daran zu ändern. Denn Ja-Sager neigen dazu, sich und ihre Gesundheit durch Überforderung zu schädigen. Wir zeigen Dir, wie Du das Nein sagen als Pflegekraft lernen kannst.


Wer kann es der sympathischen Kollegin mit Kulleraugenblick schon abschlagen, wenn diese spontan früher in den Feierabend möchte? Pflegekräfte sind soziale Wesen, sorgen sich nicht nur um das eigene Wohl, sondern auch um das der Mitmenschen. Aus Gefälligkeit wird somit mal die Schicht getauscht oder der Feierabend nach hinten verschoben. Auch, wenn es einem selbst gar nicht so wirklich passt.

Warum „Nein“ sagen so schwer ist

Doch warum können viele Menschen im Beruf nicht Nein sagen? Das sind die Gründe:

  • Der Beziehungsfaktor:
    Viele haben Angst durch ein „Nein“ das Arbeitsklima zu schädigen und das gute Verhältnis mit den Kollegen dadurch nicht aufrecht erhalten zu können.
  • Der Ego-Faktor:
    Menschen, insbesondere Pflegekräfte, haben ein inneres Helfer-Syndrom und fühlen sich geschmeichelt, wenn ihre Hilfe benötigt wird. Das Ja-Sagen gibt ihnen in diesem Moment ein gutes Gefühl. Beim Absolvieren der zusätzlichen Überstunden oder ungünstigen Schicht ist der Körper aber wieder gestresst und das kurzzeitige Glücksgefühl verflogen.
  • Der Vorgesetzten-Faktor:
    Gerade wenn der oder die Vorgesetzte um einen Gefallen bittet, fällt es umso schwerer „Nein“ zu sagen. Schließlich erhofft man sich durch den Gefallen einen besonderen Status bei ihm / ihr.
  • Der Gemeinschaftsfaktor:
    Gerade in Krisenzeiten, wie in der Corona-Pandemie, nimmt die Neigung zur Hilfsbereitschaft bei vielen Personen zu. Für den kollektiven Erfolg opfert man deshalb aus Gefälligkeit gerne einmal mehr als man eigentlich sollte.
  • Der Selbsteinschätzungsfaktor:
    Häufig resultiert die Bereitschaft für Gefälligkeiten aus falsch gesetzten Grenzen eines Individuums und aus einer fehlerhaften Selbsteinschätzung – gerade in Bezug auf die eigene Belastbarkeit.

Darum solltest Du häufiger „Nein“ sagen

Prinzipiell lässt sich zusammenfassen, dass viele Menschen vor allem um die vermeintliche negativen Konsequenzen fürchten, die durch eine Ablehnung eines Gefallens auf der Arbeit entstehen können. Doch lass uns die einzelnen Auswirkungen auf die oben genannten Faktoren genauer betrachten.

  1. Ein „Nein“ zur Kollegin oder zum Kollegen sorgt nicht automatisch für schlechte Stimmung. Es kommt vielmehr auf Deine Formulierung und Begründung an, um die Bitte Deiner Kollegin oder Deines Kollegen abzuweisen.
  2. In Bezug auf den Ego-Faktor wurde bereits dargestellt, dass das Glücksgefühl nur von kurzer Dauer ist.
  3. Langfristig bedeutet die Gefälligkeit für Dich und Deine Gesundheit mehr Belastung.
  4. Deine / Deinen Vorgesetzte(n) beeindruckst Du durch Deine ständige Leistungsbereitschaft nur bedingt. Du suggerierst mit Deinem Verhalten nämlich auch, dass es Dir schwer fällt klare Grenzen zu ziehen. Das verbaut Dir möglicherweise erwünschte Aufstiegsmöglichkeiten, da Du damit zwar Engagement, aber keine Führungsverantwortung beweist.
  5. Auch Dir selbst musst Du nicht beweisen, dass Du etwas großes leisten kannst. Das machst Du ohnehin durch die tagtägliche Ausübung Deiner Arbeit als Pflegekraft.

„Nein“ sagen lernen: Diese Tipps helfen Dir im Beruf

Nun haben wir Dir aufgezeigt, woran es liegen kann, dass Du immer wieder Ja sagst. Deshalb wollen wir Dir einige Tipps mit an die Hand geben, wie Du geschickt einen Gefallen ablehnen kannst, um so mehr auf Dich und Deine Gesundheit zu achten.

#1: Antworte nicht sofort

Oftmals platzt das „Natürlich, mach ich!“ binnen Sekunden als Reaktion auf die nette Bitte der Kollegin oder des Kollegen aus uns heraus. Groß Gedanken hat man sich dabei noch nicht gemacht.

Unser Tipp lautet daher: Nimm Dir erst einmal Zeit. Ein simples „Ich würde noch einmal meinen Terminkalender checken und gebe Dir gleich Bescheid“ verhindert, dass Du wieder sofort dazu neigst, auf einen Gefallen einzugehen.

Nutze den Zeitpuffer, um Dir einfach zu überlegen, ob Du wirklich kein Problem damit hast. Bringt es Deiner Karriere etwas? Würde die Kollegin oder der Kollege für Dich dasselbe tun oder würden bei der Zusage des Gefallens dafür andere wichtige Aspekte (z.B. einen Termin im Privatleben) vernachlässigst werden? Dann kannst Du Deine Entscheidung in Ruhe treffen und diese Deiner Kollegin bzw. Deinem Kollegen mitteilen.

#2: Kenne Deine Grenzen

„Ja“-Sager haben eine Tendenz zum Workaholic und laden sich immer mehr Arbeit auf die eigenen Schultern. Vertraue einfach auf Deine innere Stimme, die oftmals am besten weiß, ob Du Dir eine zusätzliche Belastung wirklich zumuten kannst. Werde Dir also im Klaren, wieviel Du selbst leisten kannst oder willst.

#3: Clever argumentieren will gelernt sein

Du hast Dir nun also klare Grenzen gesetzt und reiflich überlegt, ob Du der Bitte einer Kollegin bzw. eines Kollegen nachkommen möchtest. Solltest Du zum Entschluss kommen „Nein“ sagen zu wollen, dann ist hierbei der Ton und das Wie entscheidend.

Begründe also Deiner Kollegin bzw. Deinem Kollegen, warum Du dieses Mal dem Gefallen nicht nachkommen kannst. Zum Beispiel, dass es dann negative Auswirkungen auf Dein Privatleben haben könnte. Versuche deine Absage freundlich und angemessen zu kommunizieren. Sei dabei aber dennoch selbstbewusst.

Beispiel: „Entschuldige, aber ich kann heute leider nicht zwei Stunden länger für Dich da bleiben. Mein Freund hat heute Geburtstag und er würde mir es wirklich übel nehmen, wenn wir den Abend nicht gemeinsam verbringen würden.“

#4: Entwickle einen gesunden Egoismus

Wir haben Dir bereits in den obigen Ausführungen aufgezeigt, dass Du durch ein Nein nicht zwingend jemanden enttäuscht oder Karriereziele dadurch in Gefahr geraten. Wir wollen Dir hier nicht sagen, dass Du per se alle Bitten der Kollegen abschlagen sollst. Aber entwickle ein gutes Gefühl für Deine persönliche Work-Life-Balance. Nimm Dir die Zeit für Dich und die Menschen, die Dir wichtig sind, sofern Du sie benötigst.

#5: Richtig „Nein“ sagen zum Vorgesetzten

Dem oder der Vorgesetzten einen Gefallen abschlagen fällt deutlich schwerer als der Kollegin. Hierbei gilt es mit viel Feingefühl vorzugehen. Wichtig ist hierbei vor allem ein respektvoller Umgang.

Nimm das Anliegen Deiner Chefin oder Deines Chefs ernst und zeige Verständnis. Veranschauliche bei der Ablehnung des Gefallens, welche negativen Folgen die Zusage für Dich hätte.

Versuche daraufhin Deiner bzw. Deinem Vorgesetzten Alternativen aufzuzeigen, wie diese(r) das Problem anderweitig lösen könnte. Aber achte darauf, keinen bestimmenden Ton an den Tag zu legen, sondern das ganze als Vorschlag zu formulieren.

Bei der Begründung Deiner Ablehnung darfst Du gerne emotionalisieren, zum Beispiel durch verstärkende Wörter wie „Ich bin gerade wirklich sehr/extrem eingespannt.“ Das signalisiert Deiner / Deinem Vorgesetzten, dass diese(r) mit seinem Anliegen an eine andere Kollegin herantritt, da Du ohnehin gerade ausgelastet bist.