Berührungen in der Pflege sind wichtig, in Zeiten von Corona allerdings nur schwer umsetzbar.

Berührungen in der Pflege: Darum sind sie auch in Corona-Zeiten wichtig

Berührungen in der Pflege sind wichtig und tragen nachweislich zum Wohlbefinden der Patienten bei. Doch in Zeiten von Corona sind die Umarmungen auch für Pflegekräfte nicht mehr selbstverständlich.

Es sind seltsame Zeiten. Das Herzen der besten Freundin war vor wenigen Monaten noch Normalität. Nun, nachdem ein Virus das gesamte zwischenmenschliche Leben auf den Kopf gestellt hat, sind die Gesten, die sonst so selbstverständlich waren, unangemessen. Wir überdenken mit Skepsis und Sorgfalt, wie nahe wir einem Menschen kommen. Gerade für Pflegekräfte ist das ein großes Hindernis im Beruf. Denn Berührungen in der Pflege gehören dazu. Es ist eigentlich undenkbar, die Pflege von Menschen ohne körperlichen Kontakt auszuüben. Doch in Zeiten von Social-Distancing ist eben plötzlich vieles anders.

Dabei sind Berührungen in der Pflege weitaus mehr als eine Notwendigkeit. Sie können als averbale Kommunikation angesehen werden, die die Interaktion zwischen zwei Menschen, in diesem Fall Patient und Pflegekraft, stärkt. Der körperliche Kontakt wirkt sich entsprechend auf den Zustand des Patienten aus. Beim Kontakt mit Menschen werden im Körper Botenstoffe freigesetzt. Sind die Berührungen für den Behandelten angemessen und klar kommuniziert, kann das entsprechend zum Wohlbefinden beitragen und dem Patienten Sicherheit geben. So kann sowohl ein psychisches als auch physisches Vertrauensverhältnis zwischen den Personen entstehen.

Berührungen in der Pflege: Diese Arten gibt es

Die Pflegeexpertin Prof. Dr. rer. medic. Anke Helmbold unterscheidet in ihrem Buch „Berührungen in der Pflegesituation“:

  1. Es gibt zunächst einmal die rein funktionsbezogenen Berührungen, die für die Pflege einer Person notwendig sind. Hierunter summieren sich also alle Kontakte zwischen dem Pflegenden und der Pflegekraft, die es zur Pflege und Versorgung bedarf, zum Beispiel das Waschen oder die Nahrungszuführung beim Patienten. Diese Berührungen werden deshalb auch als „working touch“ umschrieben.
  2. Als weitere Kontaktart können emotionale Berührungen in der Pflege angesehen werden. Hierbei steht die Stärkung der Beziehung zwischen zwei Menschen im Mittelpunkt. Es handelt sich hier um alle Berührungen, um die Zuneigung und Fürsorge für einen Patienten zum Ausdruck zu bringen. Darunter verstehen sich Umarmungen oder Zärtlichkeiten. Diese Berührungen erfolgen deshalb oft spontan und sind klar von der pflegerischen Handlung abgekoppelt. Dieser Körperkontakt wird daher mehr als Teil der nonverbalen Kommunikation angesehen. Diese Berührungen dienen dazu, das Wohlbefinden des Pflegenden zu erhöhen, das sich basierend auf mehrerer Studien nachweislich steigert (vgl. Klein, S. 71).
    Allerdings üben Pflegekräfte diese Berührungen oftmals nicht aus, da entweder die Zeit für diese Zuwendung fehlt oder diese vom Patienten als zu intim empfunden werden. Oftmals üben diese Berührungen, wie das Halten der Hände, nur Angehörige aus.

Welche Berührungen sind für den Patienten unangenehm?

Für Dich als Pflegekraft ist es also wichtig, ein gutes Gefühl dafür zu entwickeln, welche Berührungen in der Patientenpflege angemessen sind. Einem Artikel von Pflegeexperte Dr. Jörg W. Tauch auf experto.de zufolge, solltest Du als Pflegekraft vermeiden:

  • hastige, oberflächliche Berührungen
  • Berührungen ohne Vorwarnung oder ersichtlichen Grund
  • Berührungen, die von mehr als einer Person ausgeübt werden.

Im Umkehrschluss kannst Du Dir daraus entsprechende Handlungsanweisungen ableiten. Bei Berührungen in der Pflege solltest Du deshalb unbedingt:

  • die Berührungen ankündigen und ausführlich mit dem Patienten kommunizieren
  • Der Körperkontakt sollte nicht kurzfristig, sondern länger anhaltend auf eine Körperfläche verteilt erfolgen
  • Kommunizieren Sie den Anfang und das Ende der Berührung, sodass keine Grenzen überschritten werden

Berührungen zu Corona-Zeiten: Gibt es Alternativen?

Gerade in der aktuellen Zeit hält man auch in der Pflege umso intensiver Ausschau nach Alternativen. Die Berufsgruppe ist selbstverständlich durch den sozialen Kontakt besonders gefährdet, einerseits das Virus zu bekommen, andererseits dieses an pflegebedürftige Personen weiterzugeben, die wohl auch zur Risikogruppe für Covid-19 zählen könnten. Doch die Nähe ist weiterhin wichtig, für große und kleine Patienten. Eine Alternative, die bereits vor dem Ausbruch der Pandemie getestet wurde, ist der Einsatz von Robotern. Eines der bekanntesten Fälle ist „Paro“, eine Kuschel-Robbe, die besonders in der Altenpflege zum Einsatz kommt.

Der rund 5000 Euro teure Baby-Roboter hat Sensoren unter dem weißfarbenen Fell. Somit kann „Paro“ auch Berührungen wahrnehmen und auf die Stimmen und Geräusche der Patienten oder Bewohner reagieren. In Deutschland ist der Einsatz der Kuschel-Robbe bislang selten und wird vor allem zur Betreuung von demenzkranken Menschen verwendet. Zudem stellt sich die Frage, ob ein via künstlicher Intelligenz gesteuerter Roboter die echte menschliche Nähe ersetzen kann. Viele Experten in der Pflege stehen der kuscheligen Maschine deshalb kritisch gegenüber.

Anerkannter ist hingegen der Einsatz von Tieren in der Pflege. Eine Studie aus den USA zeigt, dass sich Senioren im Pflegeheim weniger einsam fühlen, sofern diese regelmäßig in Kontakt mit Therapiehunden stehen.

Die Therapie-Tiere müssen eine Ausbildung im Vorfeld absolvieren, die diese beispielsweise an Rollstühle oder Gehhilfen in der Pflege gewöhnt. Es kommen hierbei auch nur Hunde in Frage, die sich in der Gegenwart von Menschen ruhig verhalten. Besonders in Pflegeheimen für Senioren ist die Anwesenheit eines Hundes Balsam für die Seele. Es ist letztlich nachgewiesen, dass das Streicheln und Berühren von Hunden beim Menschen Glücksstoffe freisetzt, die nachweislich zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens beitragen. Ob die Hunde letztlich während der Pandemie die körperliche Nähe geben können, die der Mensch braucht, ist ebenso fraglich. Schließlich ist es sowohl bei Tieren als auch Robotern nur schwer möglich, eine menschliche Umarmung zu ersetzen und auf alle Bedürfnisse eingehen zu können.

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