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„Weil es nicht ohne Herzblut geht“: Pflegefachkraft kämpft auf Instagram gegen Klischees

Mit dem Instagram-Kanal „pflegeistherz“ gewinnt Denise, eine junge Altenpflegerin, täglich neue Anhänger. Die 21-Jährige nimmt ihre Abonnierenden mit durch ihren Berufsalltag, spricht über Fachthemen und ihr Leben. Das alles macht sie aus einem bestimmten Grund: Gegen Klischees anzukämpfen.

Du bist seit sieben Jahre in der Pflege tätig. Was hat Dich bewegt, hier Deine berufliche Zukunft zu sehen?

Fachkraft Denise: 2014 durfte ich im Rahmen des Girls Day, eines von meiner Schule organisierten Praktikumstags, bei einem Altenpflegeheim reinschnuppern. An diesem Tag habe ich durch Zeichnungen mit einem älteren Herrn kommuniziert. Das hat mir ganz viel gegeben, dass er trotz seiner Erkrankung so mit mir interagiert hat. Ich habe einfach gemerkt, dass ich was bewegen kann und das hat mich erfüllt.

Seit Oktober 2019 lässt Du auf Instagram auch andere Personen an Deinem Beruf teilhaben. Warum?

Fachkraft Denise: Angetrieben hat mich zu Beginn das Klischee, dass die Pflege ja nur Arsch abwischen ist. Dass es ein Job ist, den ja jeder kann und dem keine Bedeutung mehr zuteil wird. Höchstens in schwierigen Zeiten wird der Pflege scheinbar mehr Bedeutung gegeben, aber sonst stehen wir Pflegekräfte im Hintergrund. Ich will daher signalisieren, was Pflege alles ist, was ich in meiner Ausbildung erlebt habe, wie sich mein Leben verändert hat und was mir dieser Job gibt.

pflegeistherz: Das will Denise bewirken

Und wie beurteilst Du den Erfolg Deines Instagram-Kanals nach etwas mehr als eineinhalb Jahren?

Fachkraft Denise: Ich habe damit in meinen Augen schon etwas bewirkt. In meiner Ausbildung, aber auch jetzt schreiben mir Azubis, die Hilfe benötigen. Auch von Fachkräften bekomme ich regelmäßig Anfragen, um sich auszutauschen. Ich will bewirken, dass die Pflege ein anderes Gesicht bekommt. Kein Abstempeln mehr, keine Vorurteile mehr. Ich hoffe, ich kann hier noch einiges bewirken. Viele meiner Abonnenten und Abonnentinnen arbeiten in der Pflege oder kamen zumindest mit dem Thema Pflege in Berührung. Ich möchte ihnen Dankbarkeit und Anerkennung entgegenbringen, denn der Job ist mehr als ein Klischee.

Erfährst du Wertschätzung in Deinem Beruf? 

Fachkraft Denise: Die Menschen geben mir ganz viel Anerkennung, Wertschätzung, Empathie und vieles mehr. Ich bin für einige Pflegebedürftige der einzige Kontakt am Tag. Und das wissen sie sehr zu schätzen.

Fachkraft Denise meisterte ihr Examen Oktober 2020.

Aufbrechen mit Klischees: „Die Ehefrau war baff!“

Auf Deinem Kanal sprichst Du über viele Themen, die Dir wichtig sind. Du hast Deine Community selbst gefragt, ob Größe im Pflegeberuf eine Rolle spielt. Merkst du mit Deinen 1,61 Metern, dass Du im Beruf an Deine Grenzen kommst?

Fachkraft Denise: Bis jetzt hatte ich mit meiner Größe noch keine Probleme. Ich wurde sogar einmal bei einem Hausnotruf unterschätzt. Ein stämmiger Mann war gestürzt und verstuhlt. Die Ehefrau zweifelte im ersten Augenblick, ob ich zierliche Person ihm helfen kann. Aber JA! Ich habe ihm auf die Beine geholfen und versorgt. Alles eine Frage der Technik. Die Ehefrau war baff.

Wenn du lächelst, versteht es die ganze Welt“

Fachkraft Denise auf pflegeistherz

Dieser Slogan ist auf Deinem Instagram-Profil zu sehen. Wie wichtig ist dieses Zitat für Deinen Beruf?

Fachkraft Denise: Ich sehe das bei meinen Patienten und Patientinnen, wenn diese mich am Ende der Pflege anlächeln, sich freuen, wenn ich zum Hausbesuch komme. Alleine mit einem Lächeln beginnt schon der Respekt auf beiden Seiten. Eine gute Pflege beinhaltet einen wertschätzenden Umgang mit der Person.

Emotionalität scheint für Dich im Beruf also eine große Rolle zu spielen, deshalb auch der Kanalname „pflegeistherz“?

Fachkraft Denise: Ja, weil es ohne Herzblut nicht geht. Wenn ich den Beruf ohne Herz ausübe, fühlen sich meine Patienten und Patientinnen bei mir nicht wohl. Und ein Lächeln sagt viel aus und kann dabei helfen, Menschen aufzumuntern. Gemeinsam Lachen ist so wichtig.

Wissensdurst und Work-Life: Zwei Erkenntnisse einer Pflegefachkraft

Du schreibst in einem Instagram Posting, Du bist ein sehr wissensdurstiger Mensch – muss man das in der Pflege auch sein, immerhin geht es hier ja um das Wohl von Menschen, oder?

Fachkraft Denise: Ich würde sagen, ja. Es gibt immer wieder neue Medikamente, neue Schmerzpumpen-Modelle, Erkrankungen, von denen man noch nicht gehört hat. Da gehört Wissensdurst dazu. Gerade, wenn Angehörige einen zum Beispiel auf Medikamente ansprechen, sollte man etwas dazu sagen können, selbst wenn man das nicht in der Schule gelernt hat. Da gehört viel Eigeninteresse dazu. Meinen Beruf sollte man also mit 100 Prozent Einsatz ausüben – und mit 100 Prozent Herzblut dabei sein.

Du schreibst auch, Du denkst in manchen Situationen zu viel nach. Fällt es dir schwer nach der Arbeit vom Beruf dann auch abzuschalten und nicht mehr über Deine Arbeit nachzudenken?

Fachkraft Denise: Zu Beginn der Ausbildung war das schon so. Aber wie heißt es so schön, man lernt nie aus. Man muss lernen, dass es gut war, solange man sein Bestes gibt. Ich bin keine Maschine, bei mir läuft nicht immer alles glatt. Auch die Patienten und Patientinnen sind nicht jeden Tag gleich. Mit dieser Einstellung habe ich gelernt, gut nach der Arbeit abschließen zu können. Ich brauche das auch für eine gesunde Distanz zum Beruf.

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