Eine Partnerschaft mit Schichtarbeit im Beruf kann für eine Beziehung zur Belastungsprobe werden.

Beruf und Beziehung: Paar-Coach verrät, wie es mit der Liebe klappt

Beziehungskiller Arbeit? Die Belastung im Beruf wirkt sich negativ auf die Beziehung aus, so Paar-Coach Diana Beck. Die Therapeutin verrät, was beide Partner für ein besseres Miteinander tun können.

Diana Beck ist Gründerin der Beziehungsschule Nürnberg.
Die zweifache Mutter arbeitet seit 2002 als Paar-Coach, Therapeutin, Mediatorin und Lehrtrainerin.

Frau Beck, warum ist Stress im Beruf für eine Beziehung problematisch?

Diana Beck: Weil sich Paare zu wenig Zeit nehmen und zu wenig Raum haben. Es geht in einer Beziehung darum positive Erlebnisse gemeinsam zu erleben. Wenn die Beziehung irgendwann so aussieht, dass sich jeden Abend auf der Couch zwei Wracks in Jogginghosen begegnen, dann ist das eben nicht förderlich. Häufig hört man dann etwas von Entfremdung oder auseinander gelebt und es gibt Trennungsgedanken. Dabei wollen viele sich gar nicht vom Partner trennen, sondern die Probleme nur lösen.

Wieviele Klienten haben Sie, deren Beziehung durch Stress im Beruf leidet (Schätzung)?

Beck: Sehr viele, ich würde sagen 70-80% haben damit zu kämpfen. Menschen verlernen es für den Partner noch Bewunderung zu zeigen. Es wird vergessen die Liebe zu pflegen, weil der Beruf teils als wichtiger erachtet wird.

Wie kann man Liebe denn pflegen?

Beck: Es geht hier wieder um das Zeit nehmen und Räume schaffen. Es ist daher besser gemeinsame Aktivitäten zu planen, auch wenn dadurch die Spontanität verloren geht. Sonst wird leider auch nichts weiter passieren, auch in sexueller Hinsicht.

3 Tipps von consil med:
So findest Du mehr Zeit für Deinen Partner


1. Teile Dir Deine Schicht so ein, dass Du einen Abend pro Woche mit Deinem Partner verbringen kannst.


2. Hat Dein Partner am Wochenende frei, kannst Du bei Spät- oder Nachtdienst auch unter dem Tag etwas Tolles unternehmen.


3. Nutzt Eure Pausenzeit in der Arbeit zusammen. Geht spazieren oder essen und tauscht Euch über Dinge aus, die Euch bewegen.

In unserer Internet-Recherche sind wir auf das Statement gestoßen: Es ist nicht wichtig, wieviel Zeit man gemeinsam verbringt, sondern wieviel Zeit davon qualitativ hochwertig ist. Stimmen Sie dem zu?

Beck: Absolut, ich hatte mal eine Ärztin als meine Klientin, die mit einem Rettungssanitäter zusammen war. Die beiden haben sich wenig gesehen, doch das war nicht das Problem. Vielmehr waren beide in ihrer gemeinsamen Zeit ausgepowert. Die Zeit wurde also nicht qualitativ genutzt. Darunter versteht sich kein wortkarger Abend auf der Couch, sondern intensive Gespräche, gemeinsame Spaziergänge und so weiter. Besonders an besonderen Tagen, wie Jahrestagen, sollte man die Zeit entsprechend verbringen.

Stress im Beruf – überträgt sich die schlechte Laune auch auf die Beziehung? Flacht so die Harmonie ab?

Beck: Das ist sogar ein sehr großer Konfliktpunkt. Frauen und Männer gehen mit dem Stress nämlich unterschiedlich um.

Beziehung: Frauen wollen über Beruf reden, Männer…

Inwiefern?

Beck: Frauen wollen über den Stress in der Arbeit oder generell emotionale Belange reden. Männer nehmen dieses Gespräch häufig als Jammern auf und versuchen, Lösungen  zu finden. Diese Lösung könnte der Frau einerseits nicht gefallen, andererseits sucht sie vielleicht auch gar nicht danach, sondern nutzt das Gespräch zum Reflektieren. So entstehen möglicherweise Streitpunkte zwischen den Partnern.

Und wie verhält sich ein Mann in einer Stresssituation?

Beck: Eigentlich komplett entgegengesetzt. Der Mann wird ruhig und still. Er zieht sich regelrecht zurück und sucht für sich eine Lösung nach dem Problem. Häufig reagiert er auch gereizt. Die Frau weiß somit nicht, was den Mann beschäftigt und projiziert das Problem auf sich. Ihr kommen dann auch Gedanken, ob sie selbst das Problem ist.

Wie müssen Paare nun also miteinander umgehen, um Beruf und Beziehung unter einen Hut zu bekommen?

Beck: In erster Linie müssen sie sich bewusst werden, dass beide anders mit Stresssituationen umgehen. Viele Menschen entfernen sich in diesen Lebenslagen voneinander und gehen nicht aufeinander zu. Das A und O ist hier also die Kommunikation.

Wie soll diese dann folglich aussehen bzw. nicht aussehen?

Beck: Die Kommunikation sollte niemals vorwurfsvoll sein. Ich empfehle, in die Ich-Perspektive zu wechseln: „Ich habe das Gefühl, Dir geht es nicht gut“. Die Frau kann so beim wortkargen Mann auch nach dem Grund fragen. Beide Seiten müssen lernen, offen über die eigenen Gefühle reden zu können. Wenn also eine Person das Gefühl hat, dass der Partner sich nicht gut fühlt, kann auch diese Person den Anfang machen.

Weitere nützliche Artikel zum Thema Partnerschaft findet ihr auf dem Blog der Beziehungsschule Nürnberg.

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